Wir sind dann mal weg

Abendstimmung an Bord der Thor Heyerdahl
Kieler Förde: Abendstimmung an Bord der Thor Heyerdahl

Wir sind dann mal weg. Das Schiff ist seeklar. Danke an alle, die für uns in den vergangenen Tagen unendlich viel Arbeit geleistet haben. Wir KUSis waren in Gruppenquarantäne und konnten nur außerhalb des Schiffs helfen. Spenden und Ausrüstung sortieren beispielsweise. Nach unserer Ankunft in Kiel vergangenen Mittwoch waren wir in Ferienwohnungen untergebracht. Samstag, den 16. Oktober 2021, konnten wir endlich an Bord. Wir haben unser Gepäck für die kommenden sechs Monate verstaut. Danach haben wir die erste Nacht an Bord verbracht. Die Wellen schlugen leise gegen das Schiff und es schaukelte ganz leicht. Das wir in den kommenden Wochen bestimmt beides noch viel wilder.

Wellerman a la Thor Heyerdahl

Unsere Familien kamen zur feierlichen Verabschiedung nach Kiel. Wegen Corona durfen wir uns nur von Weitem sehen. Aber es war trotzdem ein schöner Abschied. Wir haben gesungen und alle an Bord haben sich kurz vorgestellt. Außerdem hatten wir hohen Besuch. Hans-Werner Tovar, der Stadtpräsident von Kiel, hat uns verabschiedet. Unsere Eltern haben auch für uns gesungen. Und zwar auf die Melodie von Wellerman. Hier mal die ersten der acht Strophen.

Im Logbuch steht es ist soweit
Vorbei ist hier für euch die Zeit
Das Abenteuer startet
Ihr habt ja lang gewartet

Hey ho, Thor Heyerdahl
Nun fängt ein andres Leben an
Macht jetzt die Leinen los
die Welt ist riesengroß

Die Segel alle sind gehisst,
die Schul daheim ihr nicht vermisst
Bald türmen sich die Wellen auf
da freut sich jeder drauf

Hey ho, Thor Heyerdahl
Nun fängt ein andres Leben an
Macht jetzt die Leinen los
die Welt ist riesengroß

Thor Ahoi – Lebkuchenherz

Unsere Eltern haben jedem an Bord dann noch ein Lebkuchenherz geschenkt. Thor Ahoi steht drauf. Mal gucken, ob es als Andenken bis zum Schluss der Reise hält oder einer Heißhungerattacke auf Süßes zum Opfer fällt. Jetzt liegen wir in der Kieler Förde. Morgen geht es früh in den Nord-Ostsee-Kanal und wenn der Wind günstig steht, steuern wir Borkum an bevor wir uns in den Englischen Kanal wagen. Wie gesagt: Wir sind dann mal weg.

Lektion fürs Leben

Lektion fürs Leben – mit dieser Collage illustrieren die Nürnberger Nachrichten den Artikel über KUS

Es trifft sich gut, dass Andrea Uhrig nicht nur die Mutter meines Mit-KUSis Paul ist, sondern auch Redakteurin bei den Nürnberger Nachrichten. Insofern konnte sie ihr Insiderwissen und ihren Beruf miteinander verknüpfen. Dadurch ist ein toller Artikel in den Nürnberger Nachrichten entstanden. Er heißt „Eine Lektion fürs Leben mit Meerblick“ und beschriebt unser Projekt und unsere geplante Hilfsaktion auf der Karibikinsel Dominica.

Die Nürnberger Nachrichten und die dazugehörigen Heimatzeitungen berichten regelmäßig über Klassenzimmer unter Segeln. Das liegt auch daran, dass KUS ein Projekt der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg ist. Am 12.08.2021 brachte das Schwabacher Tagblatt einen Artikel über mich. Insgesamt ist Klassenzimmer unter Segeln ein medialer Dauerbrenner. Die Journalistin Susanne Edelmann stellt beispielsweise am 12.09.2021 im Merkur Mit-KUSi Leonie und unser spannendes Projekt vor. Der Beitrag heißt Statt Klassenzimmer: Kirchseeonerin (15) segelt in die Karibik.

Bald geht es los

So langsam steigt zusammen mit meiner Vorfreude auch die Nervosität. Wir KUSis sind seit Sonntag in Quarantäne. Meine Lehrerinnen und Lehrer von Gymnasium Wendelstein sind so nett und schalten mich digital in den Unterricht dazu. Am kommenden Mittwoch geht es dann per Bus nach Kiel. Dort bleiben wir in Gruppenquarantäne. Wir bleiben also auch unter uns, wenn wir die Thor klar machen und die vielen Sachspenden sortieren und verstauen. Wir haben Spenden für eine Schule auf den Kapverdischen Inseln gesammelt und Werkzeug für die Wiederaufbauaktion auf Dominica. Apropos Spenden für die Kapverdischen Inseln. Ich bedanke mich ganz herzlich bei der DEKRA Nürnberg. Frau Schönitz von DEKRA gibt uns für die Grundschüler rund 100 Baseballkappen mit. Außerdem Dinge wie beispielsweise Warnwesten, Fußbälle und Seifenblasensets. Wir sorgen dafür, dass alles in die richtigen Hände kommt. Wenn das alles, zusammen mit unserem Gepäck und der Ausrüstung und dem Proviant, verstaut ist, geht es los. Am 17.10.2021 stechen wir in See.

Hilfe für Unwetteropfer

Ein durch einen Hurrikan zerstörtes Haus in der Karibik

Unsere Reise führt uns auch in die Karibik. Unter anderem nach Dominica. Hier werden wir das Haus von Brendalee Samuel und ihren sechs Kindern wieder aufbauen. 2017 fegte der Hurrikan Maria das Heim der siebenköpfigen Familie einfach weg. Seitdem lebt die Familie in einer baufälligen Ruine. Wir werden selbst mauern, das Dach erneuern, Fenster und Türen einsetzen. Hilfe für Unwetteropfer leisten wir durch unsere 100 Hände. Aber wir benötigen zusätzlich 12.000 Euro für das Baumaterial. Auf Betterplace kann man online für unser Wiederaufbauprojekt spenden. Wir freuen uns über jeden Euro. Auch eine noch so kleine Spende hilft uns, Brandalee und Ihren Kindern wieder ein Zuhause zu geben. Unsere Projektleitung steht in Kontakt mit Mary Sylvester. Sie hat den gemeinnützigen Vereins Dominica Hilfe e.V. gegründet. Diese Hilfsorganisation unterstützt den Wiederaufbau auf Dominica. Mary Sylvester ist unsere Anlaufstelle und hilft uns, die Hilfe für Unwetteropfer auf Dominica zu koordinieren.

Hurrikans verwüsten das Paradies

Der Hurrikan Maria traf Dominica 2017 mit voller Wucht

Brendalee Samuel ist nur eine von vielen Unwetteropfern auf Dominica. Die Insel wird immer wieder Hurrikans getroffen. Deshalb verlieren viele Menschen ihr Zuhause. Sie leben in Armut. Außerdem existieren grundlegende Infrastrukturen nicht mehr. Für uns KUSis ist dieser Besuch in der Karibik ein ziemlicher Kontrast zu unserer Welt daheim. Sinn und Zweck unserer Fahrt ist es ja auch, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und auch Länder und Menschen kennenzulernen, denen es materiell nicht gut geht; wo Schulutensilien, ein festes Dach und fließend Wasser keine Selbstverständlichkeit sind.

Antigua und Barbuda

So erleben Touristen die Karibik

Neben Dominica ankert die Thor Heyerdahl auch vor Antigua und Barbuda. Der Inselstaat gehört, wie auch Dominica, zu den Kleinen Antillen. Kurzum, uns erwartet jenseits des Atlantiks ein ziemliches Kontrastprogramm. Die Ruine von Brandalee Samuel auf der einen Seite und auf der anderen paradiesischer Sandstrand, Palmen und kristallklares Wasser. Denn so lernen Touristen die Karibik kennen. Bei Klassenzimmer unter Segeln bekommen wir hautnah mit, wie Karibik auch sein kann: Also voll Not und Armut jenseits der Hotspots für Touristen.

Schwabacher Tagblatt

Schwabacher Tagblatt berichtet über Klassenzimmer unter Segeln 2021/22
Schwabacher Tagblatt berichtet über Klassenzimmer unter Segeln 2021/22

Das Schwabacher Tagblatt berichtet über die Teilnahme an Klassenzimmer unter Segeln 2021/22 an Bord der Thor Heyerdahl. Ich wurde über das KUS-Projekt und über das Auswahlverfahren interviewt. Ihr könnt den Artikel online unter Nordbayern.de lesen. Jetzt sind es noch zwei Monate bis zur Abreise. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die letzten Impfungen stehen an, ich muss noch das eine oder andere für die Ausrüstung besorgen und ich bereite gerade mein Referat über GPS vor. So langsam steigt auch das Reisefieber.

Apropos Reise. Ich werde während der Fahrt auf der Thor Heyerdahl ein Reisetagebuch führen. Also nicht nur hier im Blog, sondern ganz klassisch. Sechs Monate auf See, da passiert bestimmt soviel, dass ich mich ohne einige Aufzeichnungen später nicht mehr an alles erinnern kann.